Interview Annette Markgraf

„Es darf auch mal länger dauern,

der Mensch steht im Vordergrund“


„Die Katzenwäsche am Waschbecken mache ich allein“, sagt Sabine Fiebig. Die 83 Jährige sitzt im Rollstuhl und lächelt. Jeden Morgen um 6 Uhr kommt in der Regel Pfleger Martin vom Fachpflegedienst Woderski in Biesenthal, stellt der alten Dame die Waschutensilien im Badezimmer der kleinen Seniorenwohnung in Biesenthal zurecht, macht Frühstück und hilft beim Anziehen. Annette Markgraf, eine der vier inzwischen erwachsenen Kinder von Sabine Fiebig, die gerade bei ihrer Mutter zu Besuch ist, betont: „Der Fachpflegedienst Woderski ist sofort da gewesen, als wir ihn brauchten.“

Nach zwei Stürzen benötigt die Mutter Hilfe

Wie es angefangen hat? Im Februar 2020 stürzt Sabine Fiebig im Bus auf dem Weg nach Bernau. Sie bricht sich die Hüfte, wird im Bernauer Krankenhaus operiert und kommt in die Rehabilitationsklinik in Wandlitz. Ihre Atmung wird schlechter, wenige Tage später fährt sie ein Krankenwagen mit Blaulicht ins Herzzentrum Bernau. Die Mediziner stellen kritische Verengungen der Herzkranzgefäße fest und implantieren zwei so genannte Stents. Das sind Gefäßstützen aus feinem Metallgeflecht, die die Arterien offenhalten. Als sie schließlich nach einem erneuten Aufenthalt in der Rehaklinik in Wandlitz Anfang April nach Hause kommt, stürzt Sabine Fiebig drei Tage später auf der Toilette. „Ich habe mich daneben gesetzt und bin nicht mehr hochgekommen“, erzählt sie. Auf allen vieren sei sie in den Flur und ans Telefon gekrochen und habe ihre älteste Tochter Bianka angerufen. Der Arzt verschreibt Schmerzmedikamente

Unterstützung von Fachpflegedienst Woderski

Annette Markgraf ruft beim Fachpflegedienst Woderski an. Das Team für häusliche Pflege in Biesenthal berät die Tochter in allem, was zu tun ist, übernimmt zunächst die morgendliche Versorgung und liefert mittags ‚Essen auf Rädern‘. Frau Markgraf kauft einen Stundenplan. Die vier „Kinder“ sprechen sich ab, wer wann Sabine Fiebig betreuen kann und tragen die Zeiten ein. Alle vier sind berufstätig. „Es ist immer einer von uns bei unserer Mutter gewesen, morgens hat einer kurz bei ihr reingeschaut, nachmittags und abends ist wieder einer von uns dagewesen“, berichtet Annette Markgraf, die als Pharmareferentin im Außendienst arbeitet. „Ich habe funktioniert wie eine Maschine, aufstehen, arbeiten, Mutter, aufstehen, arbeiten Mutter. Jeden Tag alles hintereinander weg, ohne Pause.“ Sie sei kurz vor einem Nervenzusammenbruch gewesen. Annette Markgraf beantragt für ihre Mutter einen Pflegegrad beim Medizinischen Dienst. Ende April kommt der Bescheid: Ihre Mutter erhält Pflegegrad 3. Er gilt rückwirkend.

Die Mutter kann nicht mehr laufen

Eines Morgens liegt Frau Fiebig reglos im Bett, kann sich nicht bewegen oder sprechen. Pfleger Martin vom Fachpflegedienst Woderski ruft sofort den Rettungsdienst, der die alte Frau in das GLG Werner Forßmann Klinikum Eberswalde bringt. Sie hat einen leichten Schlaganfall. Nach knapp zwei Wochen im Krankenhaus tritt die 83-Jährige erneut die Rehabilitation in Wandlitz an. Ihre vier Kinder besuchen sie jeden Tag, helfen bei der Körperpflege, beim Haare waschen, fahren sie im Rollstuhl an die frische Luft. Die anhaltenden Schmerzen vom Sturz im Frühjahr behandeln die Ärzte mit einer abgestuften Schmerztherapie, bis Frau Fiebig beschwerdefrei ist. Ende Juli darf sie endlich nach Hause. Die Überraschung: Ihre Kinder haben ihr zwischenzeitlich ihre Wohnung im zweiten Stock komplett renoviert. Wenige Monate später finden sie durch Zufall eine seniorengerechte Wohnung im Erdgeschoss für Ihre Mutter. Sie zieht um. „Ich konnte zu dem Zeitpunkt ja nur im Rollstuhl sitzen“ erinnert sich Sabine Fiebig. „Gehen war nicht drin.“

Ganzheitliche Pflege vom Familienbetrieb Woderski

Der Fachpflegedienst Woderski übernimmt nun eine ganzheitliche Rund-um-Betreuung der alten Dame. Neben der morgendlichen Versorgung kommt zweimal die Woche die Ergotherapeutin Melanie, die mit der häuslichen Pflege in Biesenthal zusammenarbeitet, in die Wohnung und übt mit Sabine Fiebig zunächst vor dem Rollstuhl stehen, einen Schritt laufen, dann einen zweiten und so weiter. Physiotherapeutin Kathleen macht einmal wöchentlich mit ihr Übungen, um Schultern und Armmuskeln zu kräftigen. Alles zuhause. Das Mittagessen liefert die „Schlemmerkiste“ in Biesenthal, die mit dem Familienbetrieb Woderski zusammenarbeitet. „Das Essen ist sehr gut und abwechslungsreich“, betont Annette Markgraf. Abends bereitet ein Pfleger oder eine Pflegerin vom Woderski-Team das Abendessen zu, hilft beim Ausziehen, waschen und ins Bett gehen. Jeden Montag und Freitag wird Frau Fiebig geduscht, einmal die Woche die Medikamente gestellt, der Haushalt geputzt. 

Mit dem Geh-Training kommt sie wieder auf die Füße

Frau Fiebig ist mit dem ambulanten Pflegedienst mehr als zufrieden. „Alle die kommen, sind freundlich und hilfsbereit“, berichtet sie. „Und wenn es erforderlich ist, darf es auch mal länger dauern. Der Mensch steht im Vordergrund.“ Das beharrliche Geh-Training hat sich gelohnt. Frau Fiebig kann sich inzwischen am Rollator in der Wohnung frei bewegen, geht allein raus zum Briefkasten. Ihre erwachsenen Kinder haben einen neuen Stundenplan geschrieben. Bis Dezember ist er durchgeplant. Montags, dienstags und freitags ist „Kinderdienst“, das heißt, einer von ihnen ist da und am Wochenende ebenfalls. „Wir gehen immer als erstes mit Mutti eine kleine Runde an der frischen Luft spazieren“, sagt Annette Markgraf. „Sie soll in Bewegung bleiben.“ Danach wird erledigt, was ansteht: Einkäufe, Wäsche waschen, Fenster putzen, Haare schön machen, Formalitäten. Alle anderen Tage telefonieren sie mit ihrer Mutter.

Die Mutter kann in den eigenen vier Wänden bleiben

Inwiefern sich für sie mit dem Fachpflegedienst Woderski der Alltag geändert hat? Sie könne jetzt in Ruhe ihrer Berufstätigkeit nachgehen, nach Feierabend im Wald joggen, mit ihrem Mann am See spazieren gehen oder einfach im Garten puzzele, sagt Annette Markgraf. „Dafür war vorher gar keine Luft.“ Ohne den ambulanten Pflegedienst hätte ihre Mutter in ein Heim gemusst.

Autorin: Ute Wegner, Medizinjournalistin in Berlin

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